Selbstführung in der Kommunikation
Kommunikation wirkt nicht nur, sondern sie be-wirkt Gefühle, Verhalten und Haltungen beim Empfangenden.
In dieser Woche fallen mir von allen Seiten Beispiele zu, in denen es um Kommunikation geht, die nicht bewirkt hat, was sie bewirken sollte.
Beispiel 1:
Jemand wird nachträglich auf einen Termin eingeladen. Schnoddrig, „sie solle mal einfach dazukommen“. Nicht einmal mit einem ausformulierten Satz wird die Person auf den Termin vorbereitet. Und auf Nachfrage gibt es keine weiteren Informationen.
Was die empfangende Person fühlt:
☛sich nicht wertgeschätzt, obwohl sie schon lange dem Unternehmen beiwohnt.
☛sich vor vollendete Tatsachen gestellt, weil andere schon längst wissen, um was es geht, nur sie nicht.
☛ist verunsichert.
☛Das Verhalten entspricht nicht der „Wertewelt“ der Person.
Beispiel 2:
In einem Großkonzern werden E-Mails hin- und hergeschrieben. Der Vorgesetzte verschickt seine E-Mail prinzipiell ohne Anrede. (Wir reden hier nicht von einem E-Mail-Verlauf, sondern separaten E-Mails). Zusätzlich beschwert sich das Team darüber, dass es permanent E-Mails bekommt mit einem umfangreichen E-Mail-Verlauf zwischen vielen Parteien. Die Mitarbeitenden müssen erstmal 10 Minuten den Verlauf verfolgen und verstehen, um was es eigentlich geht und was gemacht werden soll. Kein Briefing, keine konkrete Arbeitsanweisung vom Übermittelnden.
Was die empfangende/n Person/en fühlt:
☛“Mir wird der Kram einfach rübergekippt.“
☛sich nicht wertvoll genug, eine strukturierte Anweisung zu kriegen.
☛bei Nachfrage als unfähig hingestellt.
Beispiel 3:
Ich habe vorgestern unter einem meiner Beiträge eine sehr wertschätzend formulierte Frage bekommen, für die ich dankbar war. Warum ich meine Beiträge immer mit meinem Gesicht hochlade. Ich antwortete, dass mir nach verschiedenen Testreihen die Reichweite „flöten“ ging, wenn ich es mit anderen Motiven versuchte. Der Kommentator konnte mich verstehen, hatte aber ursprünglich narzisstische Züge in Betracht gezogen.
Was ich als empfangende Person/en fühlte:
☛ dankbar, dass jemand nach dem warum gefragt hat ohne mir Narzissmus zu unterstellen.
☛ inspiriert, um darüber nachzudenken, es doch nochmal anders zu probieren.
☛ erschrocken, weil Narzissmus das Letzte ist, für das ich stehen will, denn ich bin im narzisstischen Umfeld aufgewachsen. Ich liebe meinen Job, stecke viel Zeit in die Formulierung meiner Beiträge. Natürlich möchte ich auch, dass sie ankommen.
P.S. Stempel bitte nie jemanden als „empfindlich“ ab, wenn sie/er mit Deiner Kommunikation nicht einverstanden ist. Es gibt immer 2 subjektive Wahrnehmungen.
Aber Kommunikation ist die Grundlage, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Ohne Vertrauen funktioniert keine erfolgreiche Zusammenarbeit.